„Man kann nicht sehen, was direkt vor einem steht, wenn man den Blick in die Ferne schweifen lässt.“ ( – ? – )
Stimmt schon, da ist was Wahres dran. Aber was, wenn Du die Augen auf machst und da ist nichts. Du siehst einfach nichts. Nichts in der Ferne und noch weniger direkt vor Dir. Bist Du etwa blind? Schaust Du nicht richtig hin? Wenn Du direkt vor Dich siehst und einfach nichts erblicken kannst, nichts greifen kannst, bist Du dann schuld? Hast Du Deine Augen erblinden lassen, ohne es zu merken? Hast Du zu lange weggesehen, so dass Dir alles fremd geworden ist und Du es daher nicht mehr erblickst? Hast Du zu lange in die Ferne gesehen, so dass vor Dir einfach nichts mehr ist? Oder ist der Blick einfach nur verklärt, von der langen Zeit des in die Ferne Blickens – müssen sich die Augen erst wieder an diese Nähe gewöhnen?
Du fragst Dich dann unwillkürlich, ob Du wirklich schon richtig hinsiehst oder ob Du nur ein betrügerische Innenschau vornimmst, einer gemeinen selbst erbauten Illusion zum Opfer wirst? Aber selbst dann – was sollst Du tun? Kannst Du aus dieser Illusion wirklich fliehen? Kannst Du wirklich auf das Leben sehen? Auf ein Leben, was gesehen werden will? Auf ein Leben, was es lohnt zu sehen? Willst Du das überhaupt?
Was sollst Du tun, wenn Du die Augen aufschlägst und das ist nichts … nichts!?
(20. Oktober 2008)
